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Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern

Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung

Wappen des Freistaats Bayern

Flüchtlinge und Helfer im Gespräch - Ausstellung

 

In der früheren Beamten-FH erinnern sich die Zeitzeugen an die Fahrt in den Westen.

Von Ernst Sammer

 

Hof - Die Nacht, in der die Züge gekommen sind, und der Tag, an dem die Grenze fiel: Diese beiden Ereignisse werden den Hofern und den Bewohnern des ehemaligen "Zonenrand-Gebietes" noch in vielen, vielen Jahren in Erinnerung sein. 20 Jahre "Prager Züge" ist der Titel einer Ausstellung, die unter Mitwirkung einer studentischen Projektgruppe der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Bayern - früher die Beamten-FH - entstanden ist. Auf neun Tafeln werden Fotos, Zeitungsausschnitte und Texte aus jenen schicksalhaften Tagen vor 20 Jahren gezeigt.

Aus der Botschaft

Zur Eröffnung im großen Hörsaal am Montagabend nahmen Zeitzeugen aus der Stadt Hof, der Hochschule sowie ehemalige DDR-Flüchtlinge an einer Gesprächsrunde teil. Günter Bauer, damals Hauptamtsleiter der Stadt Hof, hörte bei seinem Besuch im Bayerischen Wald, dass Züge aus Prag in Hof eintreffen sollen. "Es musste schnell organisiert werden, denn es konnte sein, dass die DDR die Züge in Hof, die 11 000 Botschaftsflüchtlinge bringen sollten, nicht mehr weiterfahren lässt und deshalb von der Bundesbahn Züge für den Weitertransport gestellt werden mussten", erinnerte sich Bauer.

Er organisierte gleich die verschiedensten Möglichkeiten, um die Flüchtlinge unterzubringen. THW und Rotes Kreuz wurden ebenso alarmiert, nur die Abfahrt der Züge in Prag am Samstagabend verzögerte sich immer wieder. In den Bahnhöfen Dresden und Plauen gab es dann erhebliche Probleme, sodass der erste Zug erst am Sonntag, 1. Oktober, im Morgengrauen gegen 6.14 Uhr in Hof einrollte.

Die Züge, die an jenem Sonntag eintrafen, fuhren nach einem Aufenthalt in Hof zu BGS-Kasernen in der Bundesrepublik weiter, wo die Flüchtlinge untergebracht wurden. Inzwischen rollte eine große Hilfswelle an. BRK, Bahnhofsmission und weitere Hilfsorganisationen waren sofort zur Stelle. Die Bevölkerung brachte Kleider- und Spielzeugspenden zum Bahnhof, dort wurden diese sortiert und verteilt. Ebenso wurde Essen und Trinken bereitgestellt.

Werner Schnabel und Reinhard Tröger von der BayBFH organisierten wenige Tage später bei der nächsten Ausreisewelle Unterbringungsmöglichkeiten in der Turnhalle und in den Appartements der Hofer Studierenden. Auch die Freiheitshalle und andere Hofer Turnhallen boten vielen DDR-Bürgern Unterkunft in den ersten Tagen im Westen.

Studentenbuden

Die damalige Studentin Beate Boll gehört zu jenen, die spontan ihre Zimmer räumten. Dort fanden bis zu drei Personen Platz. Studenten halfen viele Stunden lang beim Sortieren von Kleidung, die teilweise bis 23 Uhr ankam.

Jana und Ralf Döbler und ihre damals sieben Monate alte Tochter gehörten zu jenen, die in der Beamten-FH untergebracht waren. Die Familie erinnerte sich an die Freude, nach langer Zeit endlich duschen zu können. Das Ehepaar Döbler bedankte sich noch einmal für den überwältigenden Empfang: "Hut ab vor der Hofer Bevölkerung."

Der damalige OB Dieter Döhla berichtete, dass viele Flüchtlinge gerne in Hof blieben, weil sie sich nicht so weit von der Grenze entfernen wollten. Die Heimat war drüben auf der anderen Seite. Döhla erinnerte abschließend: "Schon im Oktober merkte man, dass dieser Eiserne Vorhang nicht mehr stabil war."

(Hofer Anzeiger vom 30. September 2009)