Magister am Ball
STUDENTEN TAUSCHEN HÖRSAAL GEGEN SPORTPLATZ
Von Harald Werder
Hof - Fußball ist Gefühl. Dieser Sport bedeutet Leidenschaft. Am Spielfeldrand mehr als auf dem Platz. Es ist Finale. Rom war gestern. Heute ist Hof, "Grüne Au". Kein Barcelona, kein Manchester. Es treten an: Die Mannen der Fachhochschule Deggendorf und die der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Zwei Teams, heiß auf den Titel, den die Hofer noch haben - aber verlieren werden.
Junge Frauen umjubelt
AC/DC dröhnt aus den Lautsprechern, die Studenten auf den Tribünen klatschen. Extra frei bekommen haben sie an der Verwaltungs-FH. Die eigenen Leute stehen zwar nicht auf dem Rasen, aber das macht nichts. In Verwaltungsrecht darf man weder tröten noch laut schreien, wenn einem etwas nicht passt - also Fußball. Die Spieler laufen sich warm, Safri Duo trommelt "Played A Live", junge Studentinnen laufen auf, stellen sich zum Spalier und unflätige Rufe sind auf der Tribüne auszumachen. Sport mit Gefühl.
Im Mittelkreis vereinbaren die Team-Kapitäne mit Schiri Adam Ogrodnik, auf dem Platz anständig zu bleiben. Es geht los, der Ball rollt und Gerhard Zeitler steht mit den Händen in den Hosentaschen da. Zehn Meter abseits des Spielfeldes hat er seinen Platz bezogen; gerne wäre der Coach des Hofer Teams heute etwas näher am Geschehen, gerne würde er Tipps brüllen und seine Jungs anfeuern. "Alle hätten wir schlagen müssen", murmelt er. Frustriert? "Na klar bin ich frustriert! Wir waren der amtierende Deutsche Meister!" Und wer in zwei Spielen acht Tore schießt, muss siegen. Aber dann kam das Pech und der Glaube mancher Spieler, dass es schon laufen werde, klagt er. Jetzt steht Gerhard Zeitler nur da und guckt.
Im Zweifel ist der Schiri schuld
"Haaaaand!" An der Seitenlinie weiß es der Deggendorfer Trainer besser als der Schiedsrichter, und mit ihm alle Betreuer und Reservespieler. Das ist ein Spiel im Spiel: Die eigenen Spieler dürfen Gegner umtreten. Das ist okay, Fußball ist nichts für Mädchen. Fällt der eigene Mann und der Pfiff bleibt aus, greift man zur Verschwörungstheorie. Schiri Adam Ogrodnik pfeift nicht.
Günter Schmidt ist der Ruhepol an der Seitenlinie. Es steht immer noch 0 : 0, der Trainer der Saarländer muss sehen, wie der Ball am Pfosten der Deggendorfer vorbeipfeift. "Schön ist's hier", sagt er. Wunderbar sei die Landschaft rund um Wölbattendorf, wo das Team untergebracht ist. Während er durch seine goldene kreisrunde Brille das Spiel verfolgt, sagt er aber auch, dass die Meisterschaft in Hof nicht die beste ist, die er als Coach seit 1991 erlebt hat. Die nämlich war - in Saarbrücken. Aber dort hat es mit dem Titel nicht geklappt.
Der soll heute her. Die Studenten der Hochschule in Saarbrücken sind auch auf dem besten Weg. Die Deggendorfer verteidigen prima, was während der 60 Minuten Spielzeit die wesentliche Leistung der Bayern in Blau bleiben soll. Die Saarländer rennen pausenlos gegen das Tor an, während der eigene Torwart einen entspannten Nachmittag verlebt.
Fünf Minuten noch. Das Emotionsbarometer am Spielfeld gerät in den roten Bereich. Adam Ogrodnik ist scheinbar der Mann, der für die spielerische Ohnmacht der Deggendorfer verantwortlich ist - aus Sicht der Deggendorfer. Ein Saarländer rennt, dribbelt und will schießen. Kann es aber nicht, weil er fällt.
Ein Pfiff, ein Tor, ein Sieg
Der Schiri pfeift und im Fernsehen würde man jetzt ein lautes "Tüüüüüt" über den Kommentar der Deggendorfer Bank legen. Während das Testosteron bei den Blauen ins Blut schießt, legt sich ein Weißer in aller Ruhe ruhig zurecht, der Schiri pfeift wieder - und die Saarländer sind eine Sekunde später Deutscher Meister. Und freuen sich. Sei's drum. Der Titel bleibt ja - frei nach Möller - im Lande: Deggendorf oder Saarbrücken - Hauptsache Bayern.
(Hofer Anzeiger vom 29. Mai 2009)


