Rechtspfleger umdribbelt Anwalt
DEUTSCHE MEISTERSCHAFTEN DER HOCHSCHULEN
Von Sören Göpel
Es ist alles vorbereitet. Die Getränke sind kalt gestellt, die Schuhe geputzt, die Betten für die Gäste frisch überzogen. Die Deutschen Fußball-Fachhochschul-Meisterschaften können beginnen.
Am heutigen Dienstag geht es um 9.30 Uhr mit den Vorrundenspielen an der Ascher Straße, dem Platz des FC Türk Hof, los. Ausrichter des diesjährigen Titelkampfes sind die Hofer Fachhochschulen, die mit ihrem Team (WG Hof) im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main den Titel holten und nun, nach 1994, wieder Ausrichter ist.
Geplant und durchgeführt wird dieses Projekt von zwei Studentengruppen der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege und der Hochschule Hof in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten für den Hochschulsport, Günter Schwab.
Dieser steht vor dem ersten Anstoß an der Ascher Straße in Hof "voll unter Strom". Schweißperlen rinnen von seiner lichten Stirn herunter. Für große Reden hat er keine Zeit. "Die Motivation sollte groß genug sein, um den Titel in Hof zu behalten", lässt er sich auf dem Campus zwischen Tür und Angel entlocken. Er ist im Stress vor den drei Tagen, in denen er und seine zwei Organisationsteam gute Gastgeber sein wollen. "Es ist ja immer eine Ehre, wenn man so ein Ereignis ausrichten darf. Es muss alles passen, damit die anderen Mannschaften einen guten Eindruck von der Stadt Hof und seinen Fachhochschulen mit nach Hause nehmen", weiß Schwab um die Verantwortung, die er und sein großes Team für die Studenten-Fußballer von Frankfurt bis Bingen haben.
Mindestens so motiviert wie die Veranstalter im Hintergrund, sind die Aktiven der Hofer Mannschaft selbst. Lars Herb, der bei der SG Regnitzlosau in der Bezirksoberliga kickt, war mit der Vorbereitung der Wettkampfgemeinschaft (WG) Hof zufrieden. Zwar gab es nur ein Testspiel, doch Herb findet ohnehin, dass der Spaß nicht zu kurz kommen sollte. Dennoch glaubt der 25-Jährige an ein gutes Turnier mit seiner Mannschaft: "Unser Team hat, verglichen mit dem Vereinsfußball, die Qualität eines guten Bezirksligisten." Trainer Gerhard Zeitler, der die FH-Mannschaft schon im sechsten Jahr betreut, musste sogar Spieler ausladen, "weil wir auf einigen Positionen vier- oder fünffach besetzt waren", erzählt der Leiter des Kreisjugendamt und Trainer des ZV Feilitzsch. Mit seiner aktuellen Auswahl glaubt er einen guten Griff gemacht zu haben. "Die Truppe ist überragend."
An Selbstvertrauen mangelt es zwei Spielern auf jeden Fall nicht. Abwehrspieler Aydin Kaya wurde am Wochenende mit dem FC Trogen Meister in der Bezirksoberliga. Murat Gedik spielt mit der SpVgg Selbitz auch in der nächsten Saison Landesliga. Beide wollen nun Deutscher Meister werden. Mit der richtigen Taktik und Aufteilung der Kompetenzen dürfte dies möglich sein. "Das beste Trainergespann haben wir ja schon", sagt Aydin Kaya. Augenzwinkernd vergleicht Lars Herb Zeitler, den Teammanager, und Schwab, den Motivator, mit Joachim Löw und Jürgen Klinsmann.
Die Qualifikation zum Spektakel in der Saalestadt erfolgte übrigens per Post. Schwab schrieb als Organisations-Leiter mehrere Hochschulen an, am Ende sagten acht zu.
Diese dürfen sich neben den sicher schweißtreibenden Spielen auch auf ein buntes Rahmenprogramm freuen. Heute Abend werden die Spieler bei der "Players-Night" die Puppen tanzen lassen. Morgen sollten jedoch alle wieder auf den Beinen sein, denn am zweiten Tag entscheidet sich, wer am Donnerstag im Stadion "Grüne Au" um den Siegerpokal spielen darf.
Untergebracht sind die kickenden Studenten in der Jugendherberge, zwei Mannschaften nächtigen in der Turnhalle der FH. Und damit es den zukünftigen Anwälten, Rechtspflegern oder Wirtschaftsprüfern in Oberfranken gefällt, hat sich das FH-Team einiges einfallen lassen. Neben der genannten Party haben sich Studenten bereit erklärt, den sportlichen Gästen die Stadt an der Saale und des Wärschtlamos bei einer Stadtbesichtigung vorzustellen.
Es soll halt alles passen. Fehlt nur noch die Titelverteidigung.
(Hofer Anzeiger vom 27. Mai 2009)

