Studienstart im Hofer Doppelpack
Beamte und angehende Ingenieure beziehen die Hörsäle. Beide Präsidenten sind von guten Perspektiven überzeugt.
Von Gert Brendel und Harald Werder
Hof - Das Audimax an der Hochschule platzte aus allen Nähten, als gestern Hochschulpräsident Professor Jürgen Lehmann die Studenten des Erstsemesters willkommen hieß. Seine kurze Begrüßungsansprache musste deshalb per Lautsprecher auch nach außen übertragen werden. Mit den 700 jungen Frauen und Männern, die erstmals die Stühle im weiten Rund des Auditoriums besetzten, werden 2600 Studenten in Hof auf ihre akademisch berufliche Zukunft vorbereitet. Lehmann: "So viel hatten wir noch nie zuvor. Das ist ein neuer Rekord." Und noch einen weiteren Rekord hatte Lehmann zu vermelden, nämlich, dass vom Wintersemester an 35 Austauschstudenten aus elf Ländern einen ein- beziehungsweise zweisemestrigen Studienaufenthalt in Hof verbringen.
Lernen geht vor
"Ich freue mich, dass Sie die Hochschule hier in Hof zum Studium auserkoren haben. Sie werden in kurzer Zeit feststellen, dass Sie gut gewählt haben. Hof ist ein guter Standort, entdecken Sie die Stadt. Sie hat viel zu bieten," sagte Lehman, forderte aber auch, primär an die berufliche Zukunft zu denken und das Studium voranzubringen, "denn Sie sind Bausteine unserer Zukunft und wir, die Hochschule, wollen Sie dorthin bringen. Deshalb ist Ihr Engagement notwendig."
Oberbürgermeister Harald Fichtner hieß die neuen Studierenden ebenfalls in der Stadt Hof willkommen. "Für Sie fängt nun eine neuer Lebensabschnitt an, der wohl bedeutendste für ihr weiteres berufliches Fortkommen. Nutzen Sie die Chance." Auch Fichtner bemerkte: "Nicht nur ans Büffeln, trotz Lernstress auch an die schönen Dinge denken". Davon habe Hof genug. Fichtner forderte die Neu-Hofer auf, sich in die Stadt einzubringen und das große sportliche wie auch kulturelle Angebot - hier wies er auf die bevorstehenden Hofer Filmtage hin - zu nutzen und wünschte abschließend einen guten Aufenthalt in der Hochschulstadt Hof und viel Glück beim Studium.
Kopfzerbrechen bereiten dem Hochschulpräsidenten die Studentenzahlen in Münchberg. Dennoch, so Professor Lehmann, sei man auf einem guten Weg. Vor allem freue er sich, dass die beiden jüngsten Studiengänge Wirtschaftsrecht und Maschinenbau gut angenommen würden.
Ausdrücklich weniger technisch interessiert sind nebenan 381 junge Leute gewesen - nämlich die, in den gehobenen nicht-technischen Dienst streben und die nächsten drei Jahre die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege besuchen. Deren Präsident Reinhard Brey und sein Team haben sich vorgenommen, die Beamten in die "Geheimnisse der Verwaltungskunst" einzuweisen.
Brey stellte ihnen in Aussicht, an der Hochschule gefordert zu werden - eine gute Qualifikation erwarte der Steuerzahler -, er drückte sich aber auch optimistisch aus, als es um die berufliche Zukunft ging. "Sie haben eine faktische Anstellungsgarantie", sagte er. In den nächsten Jahren werde ein großer Schwung altgedienter Beamter in den Ruhestand geschickt, dann breche die Zeit derer an, die wie der neue Jahrgang im Jahr 2012 von der Hochschule wieder zum Staat oder zu den Kommunen gehe, um verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.
Wenige scheitern
Überhaupt so weit zu kommen, auch da stünden die Chancen nicht schlecht. Laut Brey liegt die Durchfallquote bei der Zwischenprüfung bei rund 9,5 Prozent, an der Abschlussprüfung scheitern etwa 5,8 der Studenten. Das sei angesichts deutlich höherer Quoten an offenen Hochschulen verheißungsvoll.
Mit dem neuen Jahrgang besuchen nun rund 1000 Beamte die Hochschule. Sie sind bei Städten, Landkreisen, Bezirken oder beim Staat beschäftigt, haben in der Regel das Abitur oder Bundeswehr hinter sich oder arbeiten an der Karriere, wenn sie bereits die mittlere Beamtenlaufbahn eingeschlagen haben.
(Hofer Anzeiger vom 6. Oktober 2009)


